Übung 5¶
Aufgabe 1) Die makroökonomischen Daten - das BIP und ökonomischer Wohlstand¶
[…] Nicht nur in Deutschland, auch in anderen Industriestaaten gibt es eine Debatte darüber, ob die Orientierung auf das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausreicht, um Wohlstand, Lebensqualität und gesellschaftlichen Fortschritt angemessen abzubilden. […] [1] .
[…] Außerdem gibt es in der internationalen wissenschaftlichen Diskussion eine Auseinan- dersetzung darüber, dass ab einem bestimmten Niveau die Steigerung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nur noch geringfügigen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit der Men- schen habe. [1]
a) Definieren Sie das Bruttoinlandsprodukt (BIP)¶
Bruttoinlandsprodukt: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Marktwert aller für den Endverbraucher bestimmten Waren und Dienstleistungen, die in einem Land in einem bestimmten Zeitabschnitt hergestellt werden ( \(\Rightarrow\) Inlandskonzept).
Bruttosozialprodukt: Das Bruttosozialprodukt (BSP) misst den Marktwert aller für den Endverbrauch bestimmten Waren und Dienstleistungen, die von den dauerhaft in einem Land lebenden Personen in einem bestimmten Zeitabschnitt hergestellt werden ( \(\Rightarrow\) Inländerkonzept).
b) Erläutern Sie Entstehungsrechnung, Verwendungsrechnung und Verteilungsrechnung wie unterscheiden sie sich?¶
Entstehungsrechnung:
Verwendungsrechnung:
Private Konsumausgaben 1.327,446
+ Konsumausgaben des Staates + 423,156
+ Bruttoinvestitionen (einschlielich V orratsnderungen) + 430,950
+ Exporte + 968,295
− Importe − 752,027
= Bruttoinlandsprodukt = 2.297,820
Verteilungsrechnung:
c) Stellen Sie die Gleichung zur Berechnung des BIP nach der Verwendungsrechnung auf und erläutern Sie die Bestandteile.¶
Verwendungsrechnung des BIP:
C: Konsum / Privater Verbrauch: Ausgaben der Haushalte für Waren & Dienstleistungen mit der Ausnahme des Erwerbs von Grundstücken & Gebäuden sowie des Neubaus von Häusern und Wohnungen.
I: Investitionen: Ausgaben für Kapitalausstattung, Lagerbestände & Bauten einschließlich der Ausgaben der Haushalte für den Erwerb von Grundstücken & Gebäuden sowie den Neubau von Häusern und Wohnungen.
G: Staatsausgaben: Aushaben des Staates auf Ebene der Städte und Gemeinden, der Bundesländer und des Gesamtstaats.
NX = EX - IM: Nettoexporte (Außenbeitrag): Ausgaben von Ausländern für im Inland produzierte Güter (Exporte) abzüglich der Ausgaben von Inländern für im Ausland produzierte Güter (Importe).
d.1) Welche Kritik gibt es am BIP, welche Faktoren gehen nicht oder unberechtigterweise in die Berechnung ein?¶
Hauptkritikpunkte am BIP:
Nachhaltigkeit des Wirtschaftens bleibt unberücksichtigt.
z.B. wirkt sich Verbrauch nicht-regenerativer Ressourcen positiv auf das BIP aus.
z.B. können Naturkatastrophen das BIP erhöhen.
Es werden nur materielle Güter erfasst.
Andere Faktoren wie Lebenszufriedenheit, Solidarität, Bürgerbeteiligung oder das Wohlergehen der nachwachsenden Generation können nicht direkt erfasst werden.
Gibt keine Auskunft über Verteilungsgerechtigkeit einer Gesellschaft.
Leistungen, die nicht durch das erfasst werden:
Leistungen im Haushalt und Ehrenämter
z.B. Reparaturen, Gemüseanbau oder Putzarbeit im Haushalt.
Illegale Güter (werden nur unzureichend erfasst)
z.B. Drogen, Schwarzarbeit.
Gebrauchte Güter
z.B. Einkauf auf dem Flohmarkt.
d.2) Diskutieren Sie die Vor- und Nachteile möglicher alternativer Wohlfahrtsindikatoren.¶
Beispiele für Alternative Wohlfarhrtsindikatoren:
Human Development Index (HDI) der UN
Lebenserwartung in Jahren
Nationaler Wohlfarhrtsindex (NWI) in Deutschland
Gini-Koeffizient (zur Messung der Verteilungsgerechtigkeit)
Mögliche Vorteile alternativer Indikatoren:
Berücksichtigung nicht-monetärer Größen (z.B. HDI)
Auskunft über Aspekte der Verteilungsgerechtigkeit (z.B. Gini-Koeffizient)
Mögliche Nachteile alternativer Indikatoren:
Viele Indikatoren sind nicht für jedes Land verfügbar.
Berechnungsmethoden weichen zwischen Ländern voneinander ab.
Indikatoren bilden oftmals nur eine Dimension des Wohlstands ab.
Aufgabe 2) Die makroökonomischen Daten – Reales und nominales BIP¶
In der im Folgenden beschriebenen Volkswirtschaft wird vereinfacht angenommen, dass es nur zwei Güter gibt:
Jahr |
Milchpresi (EUR) |
Milchmenge (L) |
Honigpreis (EUR) |
Honigmenge (L) |
2016 |
0,25 |
100 |
1,50 |
50 |
2017 |
0,50 |
100 |
3 |
100 |
2018 |
0,50 |
120 |
3,50 |
90 |
a) Berechnen Sie das nominale BIP der Jahre 2016, 2017 und 2018.¶
Nominales BIP: Die Produktion von Waren und Dienstleistungen bewertet zu laufenden Preisen.
Berechnung des nominalen BIP:
b) Berechnen Sie anschließend das reale BIP auf Basis der Preise im Jahr 2016.¶
Reales BIP: Die Produktion von Waren und Dienstleistungen bewertet zu konstanten Preisen.
Berechnung des realen BIP mit 2016 als Basisjahr:
c) Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse aus a) und b). In welchem Jahr ist der ökonomische Wohlstand (gemessen anhand des BIP) am höchsten?¶
Jahr |
Norminales BIP (Aufg. a) ) |
Reales BIP ’16 (Aufg. b) ) |
2016 |
100 |
100 |
2017 |
350 |
175 |
2018 |
357 |
165 |
Das reale BIP misst die tatsächlich Fähigkeit einer Volkswirtschaft - also bereinigt um die Veränderung des Preisniveaus - Güter und Dienstleistungen zu produzieren und ist damit der bessere Maßstab für das ökonomische Wohlergehen als das nominale BIP. Auf der Grundlage des realen BIP (mit Berechnung zur Festpreisbasis, Basis = 2016) ist der ökonomische Wohlstand im Jahr 2017 größer als in 2018.
d) Berechnen Sie den BIP-Deflator für die Jahre 2017 und 2018 auf Basis der Preise im Jahr 2016.¶
Der BIP-Deflator misst den Anstieg des nominalen BIP, der auf die Preisentwicklung zurückzuführen ist.
Wichtig: Hierzu wird das Reale BIP auf Grundlage des Basisjahres verwendet!
Jahr 2017:
Jahr 2018:
Aufgabe 3) Produktionsfunktion¶
a)¶
1. Wie wird Produktivität definiert?
Produktivität: Menge der produzierten Waren und Dienstleistungen, die in einer bestimmten *Zeiteinheit (z.B. in einer Arbeitsstunde) hergestellt werden.
2. Was sind Produktionsfaktoren aus makroökonomischer Sicht?
Produktionsfaktoren:
Arbeitskfrat (\(L\))
Realkapital (Maschinen) (\(K\))
Humankapital (Ausbildung, Erfahrung) (\(H\))
Natürliche Ressourcen/Rohstoffe (\(N\))
Technologisches Wissen (\(A\))
Produktionsfunktionen: Funktionaler Zusammenhang zwischen Produktionsfaktoren und Produktionsoutput:
Hierbei sei \(F\) = funktionale Beziehung.
b) Gegeben ist folgende Cobb-Douglas Produktionsfunktion:¶
b.1) Erläutern Sie die Effekte verschiedener Skalenerträge (steigend, konstant, fallend) sowohl verbal als auch grafisch.¶
Steigende Skalenerträge:
Steigende Skalenerträge.¶
\(a1 < a2 < a3\) Mehr als doppelte Produktion durch Verdopplung der Produktionsfaktoren.
Konstante Skalenerträge:
Konstante Skalenerträge¶
\(a1 = a2 = a3\) proportionaler Anstieg (=Erhöhung aller Produktionsfaktoren um \(\alpha = 2\) erhöht den Output ebenfalls um den Faktor 2.)
Fallende Skalenerträge:
Fallende Skalenerträge¶
\(a1 > a2 > a3\) Weniger als doppelte Produktion durch Verdopplung der Produktionsfaktoren.
b.2) Wenn sich sowohl Realkapital (K), als auch die gesamten Arbeitskräfte (L) verdoppeln, was passiert dann mit dem Output (Y)? Erläutern Sie formal für die folgenden 3 Fälle¶
FALL 1 \(\alpha = \frac{1}{2} ~~~ \beta = \frac{1}{2}\):
Wenn die Exponenten sich zu 1 addieren, haben wir konstante Skalenerträge.
FALL 2 \(\alpha = \frac{2}{3} ~~~ \beta = \frac{1}{2}\):
Wenn die Exponenten sich zu mehr als 1 addieren, haben wir steifende Skalenerträge.
FALL 3 \(\alpha = \frac{1}{3} ~~~ \beta = \frac{1}{2}\):
Wenn die Exponenten sich zu weniger als 1 addieren, haben wir fallende Skalenerträge.
c) Mit welchen Mitteln kann die Politik Produktivität und Wirtschaftswachstum beeinflussen?¶
Argumentation über Produktionsfunktion \(\Rightarrow\) langfristige Entwicklung wird durch Produktionsfunktion beschrieben.
Förderung von Ersparnisbildung und Investitionen \(\Rightarrow\) K \(\Rightarrow\) Y.
Förderung von Investitionen aus dem Ausland \(\Rightarrow\) K \(\Rightarrow\) Y.
Förderung von Bildung und Ausbildung \(\Rightarrow\) H \(\Rightarrow\) Y.
Schaffung sicherer Eigentumsrechte und politischer Stabilität \(\Rightarrow\) N, K \(\Rightarrow\) Y.
Förderung von Freihandel \(\Rightarrow\) N \(\Rightarrow\) Y.
Förderung von Forschung und Entwicklung \(\Rightarrow\) A \(\Rightarrow\) Y.